Deutsche Rentenversicherung - Auslauf- oder Erfolgsmodell?
Seit über 120 Jahren steht die Deutsche Rentenversicherung für soziale Sicherheit in Deutschland.
Aufgrund des demografischen Wandels der Bevölkerung wurde aber immer häufiger gefragt, ob die gesetzliche Rentenversicherung überhaupt noch zeitgemäß ist, oder ob es sich um ein "Auslaufmodell" handelt. Fehleinschätzung Bei der Beurteilung der Finanzierbarkeit der gesetzlichen Rente, auch in der Zukunft, wurde der demografische Wandel überbewertet und die Entwicklung der zukünftigen Produktivität nicht oder nur zu nieder bewertet. "Die unbezahlbaren Renten sind eine Mär" sagte der Remagener Sozialforscher und Mathematiker in einem Inteview mit der "Schwäbische Zeitung" und verweist auf die Enwicklung der letzten 100 Jahre.
Im Jahr 1900 fielen noch 13 Erwerbstätige auf einen Rentner. Im Jahr 2000 waren es nur noch 4 erklärte Bosbach gegenüber der Zeitung "und die Renten waren höher". Ursache dafür sieht er darin, dass die Produktivitätssteigerung die demografische Entwicklung klar geschlagen habe.
Wenn die Produktivität auch in Zukunft jährlich im Durchschnitt um 1 Prozent steige, "könnte jeder Beschäftigte im Jahr 2060 glatte 30 Prozent Rentenbeiträge an die Deutsche Rentenversicherung zahlen und gleichzeitig sein real verbleibendes Einkommen real um mehr als 40 Prozent steigern", sagte Bosbach.
Vorraussetzung für eine derartige positive Entwicklung sei jedoch, "dass die Produktivität auch an die Arbeitnehmer ausgezahlt wird, sagte der Wissenschaftler. Seit längerem sei aber eine "Umverteilung von Arbeitnehmern zu Arbeitgebern" zu erkennen. Gleichzeitig versuchen die Finanzdienstleister massiv ihre Altersvorsorgeprodukte zu verkaufen. Und das sind vor allem die Riesterprodukte. Fehlentscheidung Aufgrund dieser Fehleinschätzung beschloss die rot-grüne Regierung unter Gerhard Schröder die Förderung der privaten Altersvorsorge zu Lasten der gesetzlichen Deutsche Rentenversicherung. Die Rede ist von der
Riester Altersvorsorge
.
Damals argumentierte die Politik, dass den Beschäftigten eine Beitragserhöhung um 2 Prozent für eine sichere Rente nicht zumutbar sei. Heute müssen die Beschäftigten nach wissentschaftlichen Untersuchungen bis zu 5 Prozent mehr für ihre Altersvorsorge zahlen.
Nach einer Untersuchung von Ökotest im Jahre 2011 liegen bei manchen Anbietern für Riesterprodukte die Gebühren über den staatlichen Zulagen. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete und Publizist Albrecht Müller schreibt in seinem Artikel "Riester-Rürup-Täuschung": Man kann die Entscheidung für den teuren Umweg zur kapitalgedeckten privaten Altersvorsorge nur verstehen, wenn man fragt, wer daran verdient: Die Finanzwirtschaft, die an der Umstellung beteiligten Wissenschaftler und auch viele Politiker.
Dieses Geld fehlt natürlich den Sparern und auch der Deutsche Rentenversicherung, die dies durch den Nachhaltigkeits Faktor auf Kosten der zukünftigen Rentner ausgleichen muss.
Nachhaltigkeitsfaktor Mit der Einführung des Nachhaltigkeitsfaktors hat die Politik auf den demografischen Wandel reagiert. Die Folge: Die Rentenzuwächse werden in Zukunft deutlich hinter den Lohnsteigerungen zurück bleiben und damit das Rentenniveau sinken. Auf Grund dieser schon jetzt absehbaren Entwicklung mahnt die Bundesregierung in ihrem Bericht: "Der Rückgang des Sicherungsniveaus vor Steuern macht deutlich, dass die gesetzliche Rente zukünftig alleine nicht ausreichen wird, um den Lebensstandard des Erwerbslebens im Alter fortzuführen. In Zukunft wird der erworbene Lebensstandard nur erhalten bleiben, wenn die finanziellen Spielräume des Alterseinkünftegesetzes und die staatliche Förderung genutzt werden, um eine zusätzliche Vorsorge aufzubauen."
Dadurch ist die Attraktivität der gesetzlichen Rentenversicherung vor allem bei jungen Menschen noch mehr gesunken. Maßstab Finanzkrisen
Erst seit der Finanzkrise 2008 hat wieder ein Umdenken begonnen. Dabei lag der Crash der IT-Blase nur wenige Jahre zurück. Und die Eurokrise von 2011 ist noch lange nicht überstanden. An den riesigen Verlusten bei Produkten für die private Altersvororge wird deutlich, dass die gesetzliche Rentenversicherung eben doch sicherer ist. Die Tatsache, dass die Rentenversicherung die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise ohne Schaden überstanden hat, ist bester Beweis dafür. Dabei wirkt das System der Umlagefinanzierung. Und für die Sicherheit sorgt zusätzlich der Staat. Hier macht Ihnen kein Versicherungsvertreter oder Anlageberater ein X für ein U vor! Darüber hinaus wird durch die
Rentengarantie
ein Absinken der Rentenhöhe verhindert, ohne dass die Generationengerechtigkeit darunter leidet. Über den aktuellen Rentenwert - ein Faktor in der Rentenformel - nehmen die Rentnerinnen und Rentner an der durchschnittlichen Einkommensentwicklung der Arbeitnehmer teil. Damit ist in der Rentenformel auch der
Inflationssicherheit
etwas Rechnung getragen. Norbert Blühm's oft gescholtene Aussage "Die Rente ist sicher" erscheint damit in einem neuen Licht! Rendite Darüber wird in Bezug auf die Deutsche Rentenversicherung kaum berichtet: Die Versicherten bekommen auch künftig mehr heraus, als Sie an Beiträgen eingezahlt haben. Das ergibt sich aus Berechnungen der Deutsche Rentenversicherung Bund.
Der Neurentner des Jahres 2011 kommt demnach auf eine Rendite von 3,3 Prozent. Das ist mehr als bei vielen anderen
Geldanlageformen
. Die Stiftung Warentest prognostiziert bei derzeitigem Rentenrecht sogar positive Renditen für alle, die bis 2070 in Rente gehen. Welche private Anlage garaniert das? Die Deutsche Rentenversicherung hat ihrer Zukunft! Leistungen Diese Renditeprognosen sind umso höher zu bewerten, wenn man die Leistungen der Deutschen Rentenversicherung betrachtet:
- Rehabilition: Anspruch auf medizinische und berufliche Reha, wenn die Erwerbsfähigkeit in Gefahr oder bereits gemindert ist. -
Erwerbsminderungsrente
: Schutz bei Erwerbsminderung unabhängig vom Alter. - Altersrente: Versorgung im Alter entsprechend gezahlter Beiträge und weiterer Versicherungszeiten wie Kindererziehung, Wehrdienst usw. - Versorgung Hinterbliebener: Renten für Ehegatten, eingetragene Lebenspartnerschaften und Kinder. - Krankenversicherung: Zuschuss zur Krankenversicherung der Rentner.
Das kann sich doch sehen lassen, oder? Die Berechnung der Rente im Alter erfolgt mit der Rentenformel. Die Höhe der Rentenbeiträge Die Beiträge an die Deutsche Rentenversicherung errechnen sich aus dem Bruttoarbeitsverdienst. Nach oben gibt es aber eine Verdienstgrenze, ab der keine Beiträge mehr fällig werden - die sog. Beitragsbemessungsgrenze. Dabei teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Beiträge je zur Hälfte. Der Z. Zt. gültige Beitragssatz beträgt 19,9 Prozent.
Achtung: Aufgrund der Beitragsbemessungsgrenze entsteht bei Versicherten mit deutlich höherem Arbeitseinkommen bei Rentenbeginn im
Ruhestand
eine deutliche Versorgungslücke. Dieser Personenkreis sollte zur Aufrechterhaltung des Lebensstandards im Ruhestand die Rentenlücke durch zusätzliche
Altersvorsorge privat
schließen. Machen Sie das Beste daraus!
Damit Sie die für Sie maximal mögliche Rente auch bekommen, müssen Sie dafür einiges tun: 1. Jahresmeldung des Arbeitgebers Diese Meldung erhalten Sie in jedem Frühjahr über die Beschäftigung im Vorjahr. Prüfen Sie diese genau und bewahren Sie sie sorgfältig auf.2. Renteninformation Diese erhalten Sie ab dem 27. Lebensjahr, wenn Sie mindestens 5 Beitragsjahre nachweisen können. Darin finden Sie die aktuellen Informationen
- ab wann Sie eine Altersrente erhalten,
- wieviel Sie in die Rentenkasses eingezahlt haben,
- über den Rentenwert - das ist die Rentenhöhe, die Sie im Alter erwarten können, wenn Sie weiterhin soviel verdienen wie in den letzten 5 Jahren
- wieviel Ihnen die Deutsche Rentenversicherung bei Invalidität als Erwerbsminderungsrente zahlen würde,
- über den Versicherungsverlauf - ähnlich dem Lebenslauf, aber bezogen auf rentenwirksame Merkmale. Es ist Ihr Rentenkonto bei der Deutschen Rentenversicherung.
Die Übersicht zur Renteninformation sollte man am besten mit den Durchschriften der Versicherungsnachweise vergleichen, die der Arbeitgeber jährlich im Frühjahr ausstellt. Je früher eine Reklamation vorgenommen wird, umso besser für die Rente. 3. Kontenklärung Spätestens mit 43 Jahren werden Versicherte von der Rentenversicherung aufgefordert, ihr Rentenkonto zu klären. Dabei geht es um Daten, welche die Deutsche Rentenversicherung nicht automatisch kennt wie:- Zeiten einer Schul-, Fachschul- oder Hochschulausbildung. - Versicherungsunterlagen von Bürgern der früheren DDR. - Versicherungszeiten von Spätaussiedlern. - Kindererziehungszeiten, wenn sich die Eltern darin geteilt haben. - usw. Die rechtzeitige und vollständige Klärung Ihres Kontos bei der Deutschen Rentenversicherung ist bares Geld wert. Nur so können Sie sicherstellen, dass Sie wirklich die Rente bekommen, die Ihnen zusteht. 4. Rentenauskunft der Deutschen Rentenversicherung Nach Vollendung des 55. Lebensjahres wird die Renteninformation alle 3 Jahre durch die Rentenauskunft ersetzt. Sie informiert ebenfalls über die Höhe der bisher erworbenen Rentenansprüche. Voraussetzung ist allerdings ein geklärtes Rentenkonto.Darüber hinaus können Versicherte ab 55 Jahren eine Auskunft beantragen, welchen Betrag sie an die Rentenversicherung zahlen müssen, wenn sie ohne Abschläge vorzeitig in Rente gehen wollen. Weitere Vorteile:
- Sie wissen, wie hoch derzeit eine Erwerbminderungsrente ausfallen könnte, wenn plötzlich Unfall oder schwere Krankheit das Arbeiten unmöglich machen, - Sie können beurteilen, was an privater Altersvorsorge z.B. mit der
Riester Altersvorsorge
zusätzlich erforderlich ist.
- Sie können den Rentenbeginn ermitteln für die jetzige Rechtslage - nicht zu verwechseln mit dem Renteneintrittsalter. Rentenantrag Wenn Sie die Kriterien für die Altersrente oder die vorgezogene Rente erfüllen, müssen Sie einen
Rentenantrag
bei der Deutsche Rentenversicherung stellen.Ein Wermutstropfen - die
Rentensteuer
für Rentner Die schlechte Nachricht: Mit dem Alterseinkünftegesetz wurde 2005 ein Systemwechsel in der Besteuerung von Vorsorge und Renten eingeläutet. Seit diesem Zeitpunkt besteht das Prinzip der nachgelagerten Besteuerung der gesetzlichen Rente. Es entlastet das Vorsorgesparen und belastet die Renten. Wer in den
Ruhestand
geht, muß seine Altersbezüge also versteuern.
Die gute Nachricht: Im Gegenzug werden die Vorsorgeaufwendungen für die Basisversorgung für Beschäftigte steuerlich entlastet, bis sie 2025 komplett steuerfrei sind. Fazit Die gesetzliche Altersvorsorge der Deutschen Rentenversicherung ist nicht alles - wir haben aber nichts Besseres. Deshalb ist das Rentenkonto für versicherungspflichtig Beschäftigte und Selbständige genauso wichtig wie das Konto bei ihren Finanzdienstleistern. Schließlich stellen die dort registrierten Versicherungszeiten und das Guthaben bei der Rentenversicherung für die meisten Bundesbürger den entscheidenden Anteil der Alterseinkünfte dar. Entsprechend sollte man es pflegen.
Versicherte können die Rente auch online beantragen. Dazu benötigen Sie aber eine Signaturchipkarte, die Sie bei Ihrer Bank erhalten. Sie stellt sicher, dass die Daten des Versicherten gesichert sind und von Unberechtigten nicht eingesehen werden können. Wenn Ihnen das alles zu kompliziert erscheint, können Sie sich an eine der
Beratungsstellen
der Deutschen Rentenversicherung wenden - die Beratung ist kostenlos! Also machen Sie Ihren nächsten Schritt zur Kontoklärung!
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